„Lokaljournalismus wesentliche Säule der lokalen Demokratie“
Der Bundesverband kostenloser Wochenzeitungen e. V. (BVDA) vergab am Abend des 3. April 2025 den Durchblick-Preis 2025 in Berlin. Zu den Erstplatzierten zählen die Weiss-Verlag GmbH & Co. KG, die WochenKurier Lokalverlag GmbH & Co. KG und die MGV – Mediengestaltungs- und Vermarktungs GmbH & Co. KG.

Mit dem renommierten Medienpreis würdigt der BVDA bereits seit 20 Jahren herausragende publizistische Leistungen der Branche.
„Lokaljournalismus bietet Orientierung, vermittelt Wissen und Hintergründe, ermöglicht Teilhabe, steht für Transparenz und Themenvielfalt und schafft soziale Identifikation und Nähe“, sagte Ralph Spiegler, Erster Vizepräsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, in seiner Laudatio vor rund 200 Gästen im Steigenberger Hotel Am Kanzleramt. „Lokaljournalismus ist eine wesentliche Säule der lokalen Demokratie. Dort, wo es aktiven Lokaljournalismus gibt, ist die Wahlbeteiligung höher, sind die Nachwuchssorgen für politische Ämter geringer, ist die Bürgergesellschaft engagierter.“ Es liege auf der Hand, dass – gerade in herausfordernden Zeiten wie diesen – vor Ort Kommunalpolitik und Lokaljournalismus konstruktiv zusammenarbeiten müssen.
Der BVDA-Vorstandsvorsitzende Alexander Lenders hob die korrespondierenden Anliegen und Zielsetzungen der kommunalen Interessenvertretung und des BVDA hervor: „Sie sind eine starke Stimme der deutschen Städte und Gemeinden im Bund, im Land und in Europa. Die kostenlosen Wochenzeitungen sind die starke Stimme der Menschen vor Ort. Wir bieten redaktionelle und werbliche Informationen aus der Region für die Region. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund sensibilisiert die Entscheidungsträger für die Anliegen der Kommunen, er ist Repräsentant, Interessenvertretung und Informationsbörse.“ Insofern freue er sich darüber, dass mit Spiegler ein Repräsentant dieser wichtigen Institution die publizistischen Leistungen kostenloser Wochenzeitungen würdige. Der Durchblick-Preis habe sich in den 20 Jahren seines Bestehens als feste Größe etabliert, in der Jahr für Jahr Vielfalt, Qualität und Bürgernähe der kostenlosen Wochenzeitungen im Mittelpunkt stünden.
Die Gewinner des Durchblick-Medienpreises 2025
In der Kategorie „Beste journalistische Leistung“ zeichnete die Jury einen investigativen Artikel von Mario Zender aus, erschienen im WochenSpiegel Cochem-Zell von der Weiss-Verlag GmbH & Co. KG. Der Gewinnerbeitrag mit dem Titel „Zeller Krankenhaus vor dem Aus?“ beleuchtet die geplante Schließung des Krankenhauses in Zell. Durch aufwendige Recherchen gelang es der Redaktion, exklusive Informationen zu gewinnen, die in einer Serie von Beiträgen veröffentlicht wurden. Besonders bemerkenswert: Die kostenlose Wochenzeitung brachte die brisanten Details noch vor anderen regionalen Medien an die Öffentlichkeit.
David Schraven, CEO von CORRECTIV, würdigte den Beitrag als „sehr guten Journalismus, der durch eine Enthüllung besticht, die zur öffentlichen Debatte anregt. Die Bedeutung der Arbeit wird dadurch bestärkt, dass andere Medien die Veröffentlichung übernommen haben.“
Jurymitglied Roman Portack, Geschäftsführer des Deutschen Presserats, sagte über den Text: „Der Wochenspiegel Cochem-Zell beweist mit dem Beitrag „Zeller Krankenhaus vor dem Aus?“, dass auch eine kostenlose Wochenzeitung zu einer spannenden und hochgradig relevanten investigativen Berichterstattung über ein lokales Wirtschaftsthema in der Lage ist – und einen echten Scoop landen kann, der auch von der regionalen Zeitungskonkurrenz aufgegriffen wurde.“
In der Kategorie „Leser- und Verbrauchernähe“ gewann der WochenKurier mit seiner Beitragsreihe „Bringt doch eh nüscht hier“ den ersten Preis. Die Redaktion widmet sich darin den Themen Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt – zentrale Werte, die in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung unter Druck stehen. Die Serie zeigt konkrete Wege auf, wie sich Bürger aktiv ins demokratische Gemeinwesen einbringen und Partizipation sowie Bürgersinn stärken können. Mit dieser Initiative wurde die WochenKurier Lokalverlag GmbH & Co. KG gemeinsam mit Autorin Maria-Louise Hartmann ihrer gesellschaftlichen Verantwortung als Heimat-Medium in besonderer Weise gerecht.
Für Jurymitglied Mika Beuster, Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbands, trifft „Bringt doch eh nüscht hier“ genau den Nerv eines weit verbreiteten Gefühls: der Ohnmacht gegenüber politischen Entscheidungen und dem Eindruck, „denen da oben“ ausgeliefert zu sein. Beuster lobte die Serie: „Der WochenKurier Lokalverlag setzt hier an und beklagt nicht die – sicher vorhandenen – Defizite von Partizipation, sondern lässt Protagonisten vor Ort zu Wort kommen und zeigen, wie sie Dinge anpacken, greifbar, vor Ort. Demokratie ist ein Mitmach-, kein Zuschauersport. Ein gelungenes lokales Format, das Menschen einbindet, ihnen eine Stimme verleiht und positiv zeigt, dass es eben doch etwas bringt sich einzumischen.“
Katrin Landgraf, Abteilungsleitung Kommunikation & Events bei der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt, sagte über die prämierte Beitragsreihe: „Mit Tiefgründigkeit und gesellschaftlicher Relevanz vermittelt diese Textreihe den Leserinnen und Lesern anschaulich die Demokratie und ihre Gestaltungsmöglichkeiten. Sie verbindet das facettenreiche Spektrum des Engagements mit einer verständlichen, lebensnahen Sprache und ermutigt aktiv zur politischen Teilhabe. Eine herausragende journalistische Leistung, die Vertrauen schafft und Bürgerinnen und Bürger inspiriert, ihre Stimme zu nutzen und sich aktiv einzubringen.“
Den Durchblick-Preis in der Kategorie „Beste Idee oder Vermarktungsaktion“ gewann die MGV – Mediengestaltungs- und Vermarktung GmbH & Co. KG mit ihrer Aktion „Job-Roulette – wir lassen uns drauf ein“. Die Initiative setzt innovative Impulse für die Berufsorientierung in Zeiten des demografischen Wandels. Mit diesem unkonventionellen Ansatz unterstützt die Aktion „Job-Roulette“ nicht nur regionale Unternehmen dabei, zukünftige Auszubildende und Fachkräfte zu erreichen, sondern erschließt gleichzeitig neue Werbeerlöse – ein bemerkenswerter Erfolg angesichts eines stagnierenden Stellenmarkts. Die Idee hinter der Aktion: Nicht die Schüler suchen sich einen Job aus, sondern der Beruf findet sie – per Zufall über eine virtuelle Roulette-Scheibe.
Jurymitglied Dennis Prien, Chief Sales Officer der FUNKE Mediengruppe, lobte den Gewinnerbeitrag: „Mit viel Kreativität wurde für Kundinnen und Kunden sowie Leserinnen und Leser echter Mehrwert geschaffen. Das Job-Roulette ist der Beweis, dass Wochenzeitungen mehr können als nur ‚Anzeigen‘. Dieses 360-Grad-Konzept überzeugt und zeigt, dass kostenlose Wochenzeitungen mit innovativen Ideen auch im Recruiting-Bereich der richtige Ansprechpartner für Gewerbetreibende sind und bleiben. Stark.“
Stefan Hertel, Pressesprecher des Handelsverbands Deutschland (HDE), hob hervor, dass das Job-Roulette sowohl Kreativität als auch Mut beweise: „Hier wird das klassische Thema der Stellenanzeige auf eine neue Art und Weise umgesetzt. Den beteiligten Unternehmen wird so die Chance geboten, den Nachwuchs von der eigenen Attraktivität zu überzeugen. Gerade in Zeiten des vielzitierten Fachkräftemangels kann das Gold wert sein. Ein relevantes und interessantes Angebot an potentielle Kunden, das gleichzeitig eine große gesamtgesellschaftliche Herausforderung angeht. Das Job-Roulette ist damit ein hochverdienter Preisträger.“
Publikumspreis „Bester Film“ 2025
Zum Ende der Preisverleihung wurde per Live-Abstimmung der Publikumspreis in der Kategorie „Bester Film“ verliehen. Der Publikumspreis zeichnet traditionsgemäß den besten Durchblick-Film aus, der von den Nominierten aller Kategorien zur Visualisierung ihres Beitrags produziert wird. Gewonnen hat der Film zum Beitrag „Sorge um das touristische Juwel“, der in der Kategorie „Leser- und Verbrauchernähe“ nominiert war.